McKinsey: 13 Zukunftstechnologien – und die KI, die alles absorbiert
Die fünfte Ausgabe des Technology Trends Outlook setzt 223 Milliarden Dollar auf Energie, 124 auf KI – und offenbart ein viel weniger beachtetes Signal beim Thema Beschäftigung.
Kurz gesagt
McKinsey veröffentlicht die fünfte Ausgabe seines Technology Trends Outlook: 108 Seiten, 13 'frontier'-Trends, bewertet nach Interesse, Innovation, Investment und Adoptionsgrad. KI wird darin weniger zu einem Trend unter anderen als zu einem Verstärker aller anderen, mit zwei neuen Einträgen: agentischer KI und spezialisierten Halbleitern. Hinter dem Investitionsaufschwung – 2024 in zehn von dreizehn Trends gestiegen – gehen die Stellenausschreibungen in elf von dreizehn Fällen zurück.
🍺 Tresen-Version
McKinsey bringt seine große Jahrestabelle der relevanten Technologien heraus: dreizehn Trends, 108 Seiten, und eine KI, die nicht mehr eine Zeile in der Rangliste ist, sondern der Textmarker, der über alle anderen gezogen wird. Das Pikante daran: Geld und Aufmerksamkeit landen nicht am selben Ort – Energie kassiert 223 Milliarden in aller Stille, agentische KI 1,1 Milliarden, aber +985 % Stellenausschreibungen, und Quantum macht weiterhin Schlagzeilen mit einem Adoptionsgrad von 1 von 5. Währenddessen sinken in elf von dreizehn Trends die Einstellungszahlen – die Investitionen steigen, die Jobs sinken, was eine elegante Art ist zu sagen, dass man lieber Maschinen kauft als Menschen. Und da es sich um eine Beratungsfirma handelt, die Begleitung auf dreizehn Fronten gleichzeitig verkauft, liegt der eigentliche Nutzen des Dokuments nicht darin zu wissen, wohin man stürmen soll, sondern in aller Ruhe herauszufinden, was man sich zu ignorieren leisten kann.
Das Wichtigste
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Der Bericht 2025 (108 Seiten, veröffentlicht am 22. Juli 2025) umfasst ein 'baker's dozen' von 13 Trends, gruppiert in drei Familien: KI-Revolution, Grenzen von Compute und Konnektivität, Spitzentechnik-Engineering.
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McKinsey fusioniert dieses Jahr applied AI und generative AI zu einem einzigen Trend 'artificial intelligence', dessen Interessens-Score von 0,16 im Jahr 2020 auf 0,91 im Jahr 2024 steigt und der Innovations-Score von 0,43 auf 0,89.
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Zwei neue Einträge: agentische KI, diese 'virtual coworkers', die mehrstufige Workflows planen und ausführen können, und anwendungsspezifische Halbleiter, getrieben von der Rechenleistungsnachfrage.
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Die Eigenkapitalinvestitionen stiegen 2024 in zehn von dreizehn Trends: 223,2 Milliarden Dollar für Energie und Nachhaltigkeit, 131,6 für Mobilität, 124,3 für KI, 80,8 für Cloud und Edge.
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Agentische KI wiegt investitionsseitig erst 1,1 Milliarden Dollar, verzeichnet aber +985 % Stellenausschreibungen zwischen 2023 und 2024 – mit Abstand das stärkste Wachstum im Panel.
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Selten hervorgehobener Gegenpunkt: Die Stellenausschreibungen gehen in elf von dreizehn Trends zurück, bis zu -17 % bei Bioengineering, -15 % bei Quantum und -14 % bei fortgeschrittener Konnektivität.
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Sechs übergreifende Themen strukturieren das Jahr: Aufstieg autonomer Systeme, neue Formen der Mensch-Maschine-Zusammenarbeit, Skalierungshindernisse, nationaler Wettbewerb, Koexistenz von Massiv- und Spezialsystemen, sowie das Gebot verantwortungsvoller Innovation.
Ein Lesegerüst mit drei Familien
McKinsey ist bei der fünften Ausgabe dieser Übung angelangt, verfasst von Lareina Yee, Michael Chui, Roger Roberts und Sven Smit. Die Methode hat sich nicht geändert: Jeder Trend erhält einen Innovations-Score (Patente und Forschungspublikationen), einen Interessens-Score (Presse und Websuchen), eine Schätzung der Eigenkapitalinvestitionen und eine Adoptionsnote von 1 (Grenzinnovation) bis 5 (voll ausgerollt).
Die 13 Trends werden diesmal in drei Blöcke eingeteilt. Die 'KI-Revolution' umfasst künstliche Intelligenz und agentische KI. Die 'Grenzen von Compute und Konnektivität' bündeln spezialisierte Halbleiter, fortgeschrittene Konnektivität, Cloud und Edge, immersive Realitäten, digitales Vertrauen und Cybersicherheit, Quantentechnologien. Das 'Spitzentechnik-Engineering' deckt Robotik, Mobilität, Bioengineering, Raumfahrt, Energie und Nachhaltigkeit ab.
Diese Aufteilung ist nicht kosmetisch: Sie zeigt, dass sich die Profile radikal unterscheiden. KI ist eine Universaltechnologie, mit Adoptionsnote 4, die sich überall ausbreitet. Quantum bleibt bei Note 1 – potenziell transformativ für Kryptografie und Materialwissenschaft, aber trotz der Ankündigungen der Branchenriesen noch weit von einer echten Geschäftswirkung entfernt.
KI ist kein Trend mehr, sondern ein Verstärker
Die wichtigste konzeptionelle Änderung des Berichts steckt in einem Satz: KI wird als 'a foundational amplifier of the other trends' präsentiert. Ihre Wirkung läuft zunehmend über Kombinationen – Beschleunigung des Robotertrainings, Fortschritte bei der wissenschaftlichen Entdeckung im Bioengineering, Optimierung von Energiesystemen.
Methodische Konsequenz: McKinsey verzichtet auf die Unterscheidung zwischen applied AI und generative AI, die in den Vorjahren separat analysiert wurden, weil die Marktlösungen die beiden inzwischen vermischen. Die Zahlen folgen: Interessens-Score 0,91 von 1 im Jahr 2024, Innovation bei 0,89, und 124,3 Milliarden Dollar Investment, gegenüber 64 im Jahr 2020.
Aber die Beratungsfirma dämpft die Euphorie bewusst. Das volle Potenzial der KI auszuschöpfen, wird noch Innovationen erfordern, um die Rechenintensität zu bewältigen, die Bereitstellungskosten zu senken und die Infrastruktur zu finanzieren – sowie ernsthafte Ansätze bei Sicherheit, Governance und Anpassung der Belegschaft.
Die zwei neuen Einträge: Agenten und maßgeschneidertes Silizium
Agentische KI kombiniert die Universalität von Foundation Models mit der Fähigkeit zu handeln: Agenten, die komplexe Aufgaben planen und ausführen, miteinander kommunizieren und sich an neue Informationen anpassen. McKinsey verzeichnet sowohl das Aufkommen generalistischer Agentenplattformen als auch spezialisierter Agenten, insbesondere für Deep Research.
Die absoluten Zahlen bleiben bescheiden: 1,1 Milliarden Dollar Investment im Jahr 2024, ein Interessens-Score von 0,0033 und ein Innovations-Score, der noch auf 0 gerundet wird. Beeindruckend ist die Dynamik: +985 % Stellenausschreibungen zwischen 2023 und 2024, und eine Adoption, die bereits mit 2 bewertet wird.
Anwendungsspezifische Halbleiter sind die andere Neuheit, und sie ergeben sich direkt aus der KI. Angesichts der exponentiellen Nachfrage nach Rechenleistung, Speicher und Netzwerk für Training und Inferenz – und der Notwendigkeit, Kosten, Wärme und Stromverbrauch zu kontrollieren – sind die Patente sprunghaft gestiegen. 7,5 Milliarden Dollar Investment im Jahr 2024 gegenüber 3 im Jahr 2020, und ein Innovations-Score von 0,52, einer der höchsten im Panel.
Wohin das Geld wirklich fließt
Nach einem Jahr 2023, das von schwachen Märkten und rückläufiger Finanzierung geprägt war, hat sich das Investitionsklima stabilisiert und dann 2024 wieder angezogen. Zehn von dreizehn Trends legen zu.
Das Ranking ist aufschlussreich: Energie und Nachhaltigkeitstechnologien dominieren mit 223,2 Milliarden Dollar, vor Mobilität (131,6) und KI (124,3). Es folgen Cloud und Edge (80,8), Cybersicherheit (77,8, mehr als das Doppelte von 2020) und Bioengineering (57,3, deutlich rückläufig gegenüber den 127 Milliarden von 2020).
Am unteren Ende des Rankings werden die Beträge angesichts des medialen Lärms fast anekdotisch: 9,3 Milliarden für Raumfahrt, 7 für Robotik, 6 für immersive Realitäten – rückläufig gegenüber den 10 Milliarden von 2020 – und nur 2 Milliarden für Quantum.
Mit anderen Worten: Das Kapital bleibt massiv auf Energie, Mobilität und KI konzentriert. Die meistdiskutierten Trends sind nicht immer die am besten finanzierten, und umgekehrt gilt das auch.
Das schwache Signal: Die Beschäftigung geht fast überall zurück
Das ist die Zahl, die die Zusammenfassung nicht in den Vordergrund stellt. Von den dreizehn Trends verzeichnen elf einen Rückgang oder eine Stagnation der Stellenausschreibungen zwischen 2023 und 2024.
Bioengineering bei -17 %, Quantum bei -15 %, fortgeschrittene Konnektivität bei -14 %, immersive Realitäten bei -11 %, Raumfahrt bei -9 %, Energie bei -6 %, Robotik bei -2 %. Cloud und Edge stagnieren bei +2 %, Cybersicherheit bei +7 %, Mobilität bei +6 %. Nur KI (+35 %) und agentische KI (+985 %) ziehen wirklich an.
Der Kontrast zum Aufschwung der Investitionen verdient Beachtung: Das Geld fließt in Infrastruktur, Rechenleistung und physische Vermögenswerte, nicht in Personal. Und selbst innerhalb des Tech-Arbeitsmarkts geht die Konzentration auf KI sichtbar zu Lasten von allem anderen.
Sechs übergreifende Spannungsfelder
McKinsey identifiziert sechs Themen, die alle Trends durchziehen. Autonome Systeme – physische Roboter und digitale Agenten – verlassen das Pilotstadium für reale Anwendungen, indem sie lernen, sich anpassen und zusammenarbeiten. Die Modelle der Mensch-Maschine-Zusammenarbeit entwickeln sich hin zu natürlicheren, multimodalen, adaptiven Schnittstellen und verschieben die Erzählung von Ersetzung hin zu Erweiterung.
Die Skalierung wird zum eigentlichen Flaschenhals. Stromversorgungsengpässe von Rechenzentren, Schwachstellen physischer Netzwerke, aber auch Verzögerungen in der Lieferkette, Fachkräftemangel und regulatorische Reibungen bei Netzzugang und Genehmigungen. Das Problem ist nicht mehr nur technischer Natur.
Der regionale und nationale Wettbewerb verschärft sich: souveräne Infrastruktur, lokale Chipfertigung, Finanzierung von Quantenlaboren. Für McKinsey geht es dabei ebenso darum, die geopolitische Risikoexposition zu reduzieren, wie die nächste Wertschöpfungswelle zu erfassen.
Schließlich wachsen Skalierung und Spezialisierung gleichzeitig – auf der einen Seite riesige, energiehungrige Rechenzentren, auf der anderen eingebettete, stromsparende Modelle in Telefonen, Autos und Industrieanlagen. Und verantwortungsvolle Innovation wird zu einem strategischen Hebel: Vertrauen bestimmt die Adoption.
“Artificial intelligence stands out not only as a powerful technology wave on its own but also as a foundational amplifier of the other trends.”
“Scaling now means solving not only for technical architecture and efficient design but also for the messy, real-world challenges in talent, policy, and execution.”
“Ethics are no longer just the right thing to do but rather strategic levers in deployment that can accelerate—or stall—scaling, investment, and long-term impact.”
Warum es zählt
Dieser Bericht ist weniger wegen seiner Prognosen wertvoll als wegen seines Dashboards: Es ist eine der wenigen Übungen, die trendweise mediale Aufmerksamkeit, Forschungsanstrengung, Kapitalflüsse und Kompetenznachfrage gegenüberstellt. Und diese Gegenüberstellung erzeugt nützliche Dissonanzen. Agentische KI bündelt die Begeisterung mit einem Interessens-Score von 0,0033 und 1,1 Milliarden Dollar investiert, während Energie 223 Milliarden in relativer Gleichgültigkeit absorbiert. Quantum macht bei jeder Ankündigung der Branchenriesen Schlagzeilen für 2 Milliarden Investment und eine Adoptionsnote von 1. Man muss dieses Dokument auch für das lesen, was es ist: ein Produkt einer Beratungsfirma, die Begleitung bei der technologischen Transformation verkauft und daher ein strukturelles Interesse daran hat, den Vorständen dreizehn simultane Handlungsfronten zu präsentieren. Die Interessens-Scores, die auf Presse und Websuchen basieren, messen ebenso viel Buzz wie Substanz – und der Bericht erkennt das implizit an, indem er je nach Branche Haltungen vom 'watchful waiting' bis zum aggressiven Rollout empfiehlt. Die eigentliche Erkenntnis liegt genau darin: McKinseys Raster dient vor allem dazu zu erkennen, was man sich zu ignorieren leisten kann.